Deckblatt


Auszüge aus dem Jahresbericht :



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Liebe Freundinnen und Freunde
des Ambulanten Hospizdienstes Pforzheim e.V.!

Zum Beginn des neuen Jahres möchte ich Sie sehr herzlich mit dem neuen Jahresbericht begrüßen. Er soll Sie zum einen informieren über Bewegungen innerhalb der ambulanten Hospizarbeit in Pforzheim; zum anderen hat er in diesem Jahr das Schwerpunktthema „Ehrenamt in der Hospizarbeit“.

In diesem Jahr kann der Ambulante Hospizdienst auf sein 15-jähriges Bestehen zurückblicken. Äußerlich betrachtet hat der Hospizdienst neue Räume bezogen in der Steubenstraße 33, aber es sind auch neue inhaltliche „Räume“ betreten und bewohnt worden in diesen vergangenen Jahren und die Hospizlandschaft wurde sehr gestaltet. Dies ist vor allem dem ehrenamtlichen Engagement vieler zu verdanken!

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und würde mich über Begegnungen mit Ihnen freuen!

           Unterschrift
                Regina Mandel
                Vorstandssprecherin




Das Ehrenamt in der Hospizarbeit

In der Bundesrepublik sind fast alle Hospizinitiativen auf dem Boden der Ehrenamtlichkeit entstanden. So auch in Pforzheim, als sich ganz zu Beginn pflegende Angehörige zum Austausch und zur gegenseitigen Stütze getroffen haben. Die Ehrenamtlichen sind also hierzulande die Gruppe, die den Hospizgedanken im Wesentlichen trägt, verbreitet und weiterentwi-ckelt. Dennoch wurde nach einer gewissen Zeit und mit der steigenden Nachfrage deutlich, dass die Arbeit nicht ausschließlich von Ehrenamtlichen geleistet werden kann, sondern dass es professionelle Mitarbeiterinnen benötigt. So entsteht ein Team von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Hospizlern, ein Team mit speziellen, eigenständigen Aufgaben.

Ehrenamtliche haben innerhalb des Hospizteams vor allem die Aufgabe von „Fachleuten für das Alltägliche“. Durch Besuche und Gesprächsangebote bieten sie betroffenen Familien Unterstützung und emotionale Entlastung. Durch ihre Präsenz schenken sie Zeit, z.B. am Bett von Sterbenden zu sitzen, wenn diese sonst einsam leben müssten oder wenn Familien dies als Entlastung benötigen, um selbst Kraft schöpfen zu können. Konkret kann das so aussehen, dass sie auf Wunsch des Betroffenen etwas vorlesen, Dinge aus dem Alltag erzählen, Kochrezepte austauschen, Bundesligatabellen diskutieren…. Sie schweigen, wenn Worte nicht benötigt werden. Sie halten die Hand, wenn die Kraft ausgeht. Sie bringen Ruhe mit, wenn es nötig ist. Sie bringen Freude mit, weil sie ihren Dienst freiwillig und gerne tun.

Ehrenamtliche leisten aber auch viel organisatorische Arbeit, z.B. bei der Suche nach Spendern, in der Vorstandsarbeit und tragen verantwortlich die Öffentlichkeitsarbeit mit. All das ehrenamtliche Engagement geschieht im Angesicht des Todes und der Wahrnehmung von Trauer. Diese Tätigkeit hat eine öffentliche Wirkung und ist ein wesentlicher Beitrag zur Enttabuisierung von Sterben, Tod und Trauer in unserer Gesellschaft.

Viele Ehrenamtliche beziehen ihre Motivation durch eigene positive wie auch negative Erfahrungen. Dies machen auch exemplarisch die Interviews in diesem Rundbrief deutlich. Ihre Erfahrungen möchten sie zur Verfügung stellen und aktiv mitwirken. Gleichzeitig verpflichtet sich die Hospizbewegung, ein kontinuierliches Begleitungsangebot den Ehrenamtlichen zur Verfügung zu stellen. Dabei haben sich drei Elemente herauskristallisiert:

  • 1. Vermittlung von Handlungskompetenzen, vor allem im Bereich der Kommunikation bei den Sterbenden und ihren Familien, aber auch innerhalb des Hospizteams.
  • 2. Entwicklung von Fürsorglichkeit bezüglich den zu Begleitenden und auch gegenüber sich selbst, basierend auf der Erkenntnis, dass wer nicht gut für sich selbst sorgen kann, auch selten anderen hilfreich sein kann.
  • 3. Ermöglichung der Auseinandersetzung mit eigener Trauer und Sterblichkeit. Dies ist ein Kernpunkt aller Hospizarbeit und steht im Zentrum.


  • Ehrenamtliche erhalten in der Hospizarbeit die Möglichkeit, etwas für sich selbst und für andere zu tun. Die Hospiztätigkeit ist für sie eine Möglichkeit zur Hilfe ebenso wie zur Selbsthilfe und das Verhältnis zwischen beiden Polen sollte möglichst ausbalanciert sein. Dieses Ziel ist erreicht, wenn Ehrenamtliche ihre Tätigkeit als Bereicherung ihres Lebens erfahren und als Möglichkeit zu innerem Wachstum.

    (Johann-Christoph Student: Ehrenamtliche, in: ders. (Hg.):Sterben, Tod und Trauer, Freiburg 2004; gekürzt und bearbeitet von Regina Mandel)









    Interviews mit Ehrenamtlichen

    Gespräch mit Marianne
    Wie lange sind Sie schon beim Ambulanten Hospizdienst Pforzheim?
    Seit Juli 1997.

    Wie wurden Sie für diese Aufgabe vorbereitet?
    Durch einen Vorbereitungskurs für Hospizhelferinnen.

    Was waren Ihre Beweggründe sich für dieses Ehrenamt zu qualifizieren?
    Ich bin bei der Pflege und Betreuung meiner Mutter an meine Grenzen gekommen und wurde vom Ambulanten Hospizdienst unterstützt. Ich finde dies einfach eine hilfreiche Einrichtung.

    Empfinden Sie diese Arbeit als belastend?
    Wenn ich innerlich ruhig bin, geht es gut. Wenn die Themen für mich zu schwer sind, kann es schon einmal belastend wirken. Dann nehme ich das Leid mit nach Hause.

    Wie werden Sie bei dieser Arbeit unterstützt?
    Durch sehr hilfreiche Supervision, da kann man sich über schwer empfundene Themen austauschen und so wird das Verstehen leichter. Auch die Einsatzgruppentreffen sind sehr hilfreich zusammen mit Fortbildungen, an denen wir teilnehmen können.

    Sie sind in der Trauerarbeit im Lebenscafé dabei, was bedeutet diese Aufgabe für Sie?
    Es ist ein Ort des „Miteinanders“. Geben und Nehmen, Tragen und Getragensein… Da gibt es gegenseitiges Verstehen, Anregungen und Aussprache, wenn übergroßer Schmerz, Lähmung und Ausweglosigkeit das Weiterleben blockieren. Sich Aussprechen können, ist oft sehr hilfreich.

    Haben Sie Wünsche/Visionen für die Zukunft für die Begleitung von Sterbenden?
    Ich wünsche mir, dass das Sterben und der Umgang damit als ein natürlicher Prozess angenommen werden kann und eingebettet ist als eine Zeit des Lebens. Dazu wäre oft nötig, dass Arzt, Pflege, Angehörige und Begleitende noch stärker sich die Zeit nehmen, ein Team zu sein.

    Danke für Ihre Offenheit!









    Gespräch mit Susanne
    Wie lange sind Sie schon beim Ambulanten Hospizdienst Pforzheim?
    Seit 2008.

    Wie wurden Sie für diese Aufgabe vorbereitet?
    Ich habe an einem Vorbereitungskurs von Oktober bis März teilgenommen.

    Was waren Ihre Beweggründe sich für dieses Ehrenamt zu qualifizieren?
    Ich hatte eine junge Frau begleitet. Sie wollte damals zu Dignitas in die Schweiz. Der Termin stand schon fest. Sie wurde zu schwach, um dorthin zu gehen. Diese Frau hat mir sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Mich hat diese Begleitung sehr beeindruckt und bewegt und dazu veranlasst, den Kurs zu machen und mich dieser Arbeit zu widmen.

    Empfinden Sie diese Arbeit als belastend?
    Nein. Natürlich mache ich mir meine Gedanken, viele sogar. Ich denke auch immer wieder gerne an die von mir begleiteten Menschen zurück. Wie sie waren, was sie mir sagen oder auch zeigen wollten. Ich denke, der mir begegnet, gibt mir etwas sehr Wichtiges.

    Wie werden Sie bei dieser Arbeit unterstützt?
    Durch die Supervision mit einem sehr fähigen Supervisor. Es gibt die Einsatzgruppentreffen, von denen ich leider schon einige versäumt habe aus privaten Gründen. Ich kann jederzeit mit der Einsatzleitung sprechen.

    Haben Sie Wünsche/Visionen für die Zukunft für die Begleitung von Sterbenden?
    Ich wünsche mir für die Menschen die in den Heimen leben, dass sie gedämpftes Licht, mehr Ruhe, vielleicht eine Duftlampe, eine Kerze, einfach eine schöne Umgebung bekommen. Wenn sie signalisieren, dass sie nicht alleine sterben wollen, dass das Pflegepersonal in der Lage ist, mich rechtzeitig zu benachrichtigen. Für Menschen die zu Hause sein dürfen und vielleicht noch einmal ein bisschen die Welt draußen fühlen wollen, dass sie kurzfristig einen Rollstuhl haben und man nicht erst einen komplizierten Antrag stellen muss.

    Danke für Ihre Offenheit!









    Gespräch mit Lore
    Wie lange sind Sie schon beim ambulanten Hospizdienst Pforzheim?
    Seit Herbst 2003.

    Wie wurden Sie für diese Aufgabe vorbereitet?
    Die Vorbereitung erstreckte sich über zehn Monate. Uns wurden theoretische Kenntnisse vermittelt und ein Praktikum im Pflegeheim war auch dabei.

    Was waren Ihre Beweggründe sich für dieses Ehrenamt zu qualifizieren?
    Ich fasste den Entschluss mich ehrenamtlich mit der Sterbebegleitung zu befassen, weil ich als Krankenschwester das menschenunwürdige, isolierte Sterben noch erlebt habe. So oft es ging, versuchte ich damals, den Sterbenden Nähe und Zuwendung zu geben.

    Empfinden Sie diese Arbeit als belastend?
    Jede Begegnung berührt einen. Besonders betroffen ist man natürlich bei jungen Leuten, deren Leben gerade erst begonnen hat und schon das Ende absehbar ist.

    Wie werden Sie bei dieser Arbeit unterstützt?
    Große Unterstützung ist die Supervision. Ebenfalls steht uns die Einsatzleitung hilfreich zur Seite. Auch der Austausch mit dem Pflegepersonal auf der onkologischen Station ist für beide Seiten hilfreich.

    Sie gehören zu der Gruppe, die regelmäßig Besuchsdienste auf der onkologischen Station im Klinikum macht. Was bedeutet diese Aufgabe für Sie?
    Man muss sich in kürzester Zeit auf verschiedene Patienten und deren Lebensgeschichte einstellen.
    Die Menschen sind einfach nur dankbar, wenn wir zuhören und ihnen Zeit schenken. Wir haben eine neutrale Position, so können sie sich bei uns aussprechen und oft auch ausweinen. Manche Menschen sieht man nur einmal, aber es kann eine intensive Beziehung aufgebaut werden und sie erzählen mit einer unglaublichen Offenheit ihr ganzes Leben und Dinge, die sie mit noch niemandem besprochen haben. Beim nächsten Mal erfahren wir vom Pflegepersonal, dass sie bereits verstorben sind, aber man ist so dankbar, dass man sich Zeit genommen hat für sie.

    Haben Sie Wünsche/Visionen für die Zukunft für die Begleitung von Sterbenden?
    Wünschenswert wäre, wenn das Sterben enttabuisiert würde und wieder als ein Teil, der zum Leben gehört, angesehen werden könnte. Weiter könnten wir leichter eine Beziehung zum Kranken aufbauen und den Angehörigen Entlastung bieten, wenn wir als Hospizhelfer früher gerufen würden. Meist werden wir erst kurz vor dem Tod gerufen, wenn die Pflegenden schon restlos überfordert waren. Das ist schade.

    Danke für Ihre Offenheit!










    Rückblick


    Begleitungen






    Stunden



    Wo waren wir 2009 in der Öffentlichkeit tätig?

    Auch im Jahr 2009 war die Einsatzleitung des Ambulanten Hospizdienstes, Frau Kraft und Frau Schaudt, neben der Organisation der gewünschten Begleitungen, den vielen Beratungsgesprächen, auch in der Öffentlichkeit wieder rege tätig. Viele Menschen nahmen die Möglichkeit wahr, sich mit der Hospizarbeit, mit den Herausforderungen und der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen.

  • Im Bürgerhaus Haidach fand ein Vortrag statt bei dem die Hospizarbeit vorgestellt wurde.


  • Im Pflegeheim Ambiente konnten Bewohner und deren Angehörige sich über die Arbeit des Ambulanten Hospizdienstes informieren, dazu fand ein Fachvortrag mit anschließendem Gespräch statt.


  • In einer Thomasmesse stand das Lebensende im Mittelpunkt.


  • Im Hauspflegekurs der Caritas wurde ein Abend der Betreuung von Sterbenden gewidmet und der Hospizdienst stellte dazu seine Erfahrungen zur Verfügung.


  • Die Bürger in Neuhausen fragten die Hospizmitarbeiterinnen an, um sich über die Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden zu informieren.


  • Der Frauenkreis der Johannesgemeinde war an der Hospizarbeit interessiert und gestaltete einen Abend zu diesem Thema.


  • Der Osterfeldchor bot im Bürgerhaus Haidach einen Benefizkonzertabend zugunsten der Hospizarbeit an.


  • Das Figurentheater Raphael Mürle gab eine Vorstellung „Gesänge der Wale“ für den Hospizdienst und informierte die Gäste über unsere Arbeit.


  • Im Frühjahr veranstalteten wir wieder vier Abende in Zusammenarbeit mit der AOK für Pflegende Angehörige und Interessierte zur „Palliativen Pflege“ zu Hause.


  • Dieses Thema stand beim Religionsunterricht einer zehnten Klasse in der Weiherbergschule auf dem Stundenplan.


  • Das Kommunale Kino zeigte in Kooperation mit dem Ambulanten Hospizdienst den Dokumentarfilm „Bilder, die bleiben“. Danach kam ein angeregtes Gespräch mit den Kinobesuchern zustande.


  • Im Altenpflegekurs im Haus Maihälden interessierten sich zukünftige Altenpfleger/innen für die Begleitung sterbender Menschen.


  • Im Pflegeheim Atrium wurden den Angestellten zwei Fortbildungseinheiten zum Thema „Wachkoma“ und „Pflege am Lebensende“ angeboten.


  • Das Haus Maihälden lud die Wohnbereichsleitungen ein, um sie mit der Hospizarbeit bekannt zu machen.


  • Das Pflegeheim „Bergdorf“ bot den Pflegekräften und den Angehörigen jeweils Veranstaltungen an mit dem Thema „Leben bis zuletzt“.


  • Zum deutschen Hospiztag am 14. 10. 2009 veranstaltete der Ambulante Hospizdienst Pforzheim e.V., die umliegenden Hospizdienste im Enzkreis und das Christliche Hospiz Pforzheim Enzkreis einen Abend mit der Vorstellung „Oskar und die Dame in Rosa“.


  • Auf der Gesundheitsmesse wirkten wir in Kooperation mit den anderen ambulanten Hospizdiensten und dem stationären Hospiz bei einem Infostand mit. Bei einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen dieser Veranstaltung stattfand, war Frau Mandel mit auf dem Podium und vertrat die ambulante Hospizarbeit.


  • Im Kommunalen Kino war die Autorin Henriette Kaiser vor Ort, las aus ihrem Buch „Schlussakkord“ und stand danach zusammen mit unseren Mitarbeiterinnen noch zu einem Gespräch zur Verfügung.


  • Im Dezember fand unser alljährlicher Gedenkgottesdienst in der Auferstehungskirche statt. Angehörige und Mitarbeiter/innen können bei diesem Gottesdienst der Verstorbenen gedenken und anschließend miteinander ins Gespräch kommen.








  • Stand

    Stand beim Deutschen Hospiztag im CongressCentrum Pforzheim






    Dank

    Für etwa die Hälfte aller Ausgaben (z.B. sämtliche Sachkosten wie Miete, Porto, Telefon, Bürofachkraft, Auslagen) gibt es keine gesicherte Finanzierung. Um diesen Dienst zu ermöglichen, ist der Ambulante Hospizdienst angewiesen auf Unterstützung jeglicher Art.

    Dazu gehört vor allem

  • das hohe ehrenamtliche Engagement in der Hospizarbeit


  • die finanzielle Unterstützung durch Spenden und / oder Mitgliedschaft


  • die Kooperationsbereitschaft bei Veranstaltungen


  • die Unterstützung aller, denen die Hospizbewegung ein Herzensanliegen ist.


  • Allen, die uns unterstützen,
    sei herzlich Dank gesagt!


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